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Airpower 2011

14. Sternecup der Köche in Ischgl

Gedanken zum Tennis

Mein Sohn Sebastian - von mir gibt es kein Tennisfoto

Soll ich denken oder abschalten?



Mein ganzes Leben lang hab ich mir aus Tennis überhaupt nichts gemacht. Ich hatte weder eine positive noch eine negative Einstellung dazu. Dann allerdings habe ich – der Liebe wegen – bei einer Vereinsmeisterschaft zugesehen. Und als ich da so saß, in Salzburg war das, ich hatte ja nichts anderes zu tun, da kam in mir plötzlich das Gefühl auf: „Das möchte ich können.“ Am liebsten hätte ich sofort den Schläger genommen und drauflos gespielt. In dem Moment war es natürlich nicht möglich – die Plätze waren alle besetzt und – wie gesagt – ich hatte ja absolut keinen Tau vom Tennisspielen. Es war ganz einfach die Bewegung die mich faszinierte. Manche graziös und leicht, andere wieder liefen herum, keuchten und fluchten – man hatte den Eindruck sie seien zum Spielen gezwungen worden. Ich sah mich natürlich leichtfüßig und anmutig über den Platz schweben.
Es kam der Winter und es hat tatsächlich noch eine ganze Weile gedauert, (bis zum Urlaub in Kroatien im darauffolgenden Frühjahr) bis ich den Schläger erstmals in Händen hielt.

Und seither weiß ich nicht mehr, soll ich denken oder das Gehirn ausschalten. Bei der Vorhand wird der Schläger so gehalten, bei der Rückhand anders. Drehung, Ausholen, Laufen, Schlagen, Ausschwingen, wieder zurück in die Ausgangsposition.
Das hört sich nicht so schwer an, wenn man das Ganze im Zeitlupentempo durchmacht. Dann kommt allerdings der Ball ins Spiel und der bringt alles durcheinander. Einmal kommt er kurz, dann lang, einmal langsam, dann schnell.
Auf jeden Fall ist der Ball schneller als die Zeit, die man zum Denken braucht. „Schalt das Hirn aus“, meint der Trainer. Tja… wenn das so einfach ginge. Den ganzen Tag denke ich. Ich hab die Augen noch gar nicht richtig offen am Morgen, dann rattert schon das Gehirn: was ist als erstes zu tun, welche Termine stehen an, geht sich das zeitlich aus, und, und, und! Ich bin es gewohnt vom frühen Morgen bis zum späten Abend zu denken. Und falls ich einmal denke, dass es heute nichts wirklich Bedeutendes zu denken gäbe, dann gibt mir sicher irgendjemand wieder eine Aufgabe, an der ich zu kauen habe.

„Für Tennis braucht man Zeit“, so meint mein Trainer. Super, denke ich mir, als ich das hörte. Da hätte ich ja gleich auch Golfspielen lernen können. „Hast du’s eilig“, fragt er mich, als ich wieder einmal auf den Ball dresche. Keine Ahnung, vielleicht gehen sich mehr Schläge aus, wenn ich schneller spiele und ich erlern es dadurch schneller? Vielleicht ist es aber auch der Frust, der mir in den letzten Wochen in den Gliedern steckt und der endlich einmal ein Ventil gefunden hat.

Geht dann einmal ein Ball gut, dann ist das fast ebenso fatal. Denn für den nächsten bin ich dann sicher zu langsam. „Einem guten Ball schaut der Schüler lang nach“, lächelt der Trainer. Er weiß wirklich alles. Manchmal komm ich mir vor, als ob ich nackt vor ihm stehen würde. Anhand meines Spiels kann er genau sagen wie ich psychisch drauf bin. Und das Schlimme dabei ist, dass er das in manchen Bereich besser sieht wie ich. Ich bin mir da nicht so sicher, ob ich zum Tennisspielen begonnen hätte, wenn ich das vorher gewusst hätte.

Beruflich bin ich ja eine Einzelgängerin. Im Sport hab ich das getan, was man allein absolvieren kann: Heimtrainer, Krafttraining, Nordic Walken. Bei all diesen Bewegungsabläufen kann man ganz getrost seinen Gedanken nachhängen. Das funktioniert einwandfrei. Auch wenn ich das bisher immer mit abschalten verwechselt habe.
Ein Teamsport, und wenn es nur zwei Personen sind, die zusammenspielen müssen, zeigt auf, wo es fehlt. Denn wirklich abschalten sieht offenbar anders aus. Sobald ich vom Trainer höre: „Genieße den Schlag“, dann weiß ich, dass ich noch nicht beim Dessert angelangt bin. Ausholen ist Vorspeise, Schlag ist Höhepunkt und Hauptgang und Ausschwingen ist das Dessert. Tja, wenn ich jetzt hier sitze und so recht überleg, dann muss ich mir eingestehen, dass mir auch bei einem Menü das Dessert nicht sooo wichtig ist. Außer - wenn ich bei Spitzenköchen zu Gast bin. Da würde ich mich ohne Dessert nicht vom Tisch bewegen. Das gehört einfach dazu.
Ich spiele am Platz derzeit sozusagen eine Alltagsküche. Ohne Dessert – so eins koche ich praktisch nie. Und wenn ich es so recht überlege, dann ist das bei meiner Arbeit auch oftmals der Fall. Ich verzichte auf das Dessert, weil es in der Hektik keine Zeit mehr dafür gibt. Das Pünktchen auf dem I geht sozusagen im Alltag unter, weil es vermeintlich auch gar nicht registriert wird. Ich kann nur hoffen, dass unter meinen Leser keiner ist, der das Spiel so gut versteht wie mein Tennistrainer. Noch hege ich die Hoffnung, dass ich beim Schreiben meinen Gemütszustand vertuschen kann.

Jedenfalls hab ich mir jetzt fest vorgenommen mehr auf das Tüpfchen auf dem I zu achten. Schließlich speist es sich bei Gourmetköchen wirklich hervorragend und letztendlich sehe ich mich auch jetzt noch immer graziös und leichtfüßig den Tennisschläger schwingen. Auch wenn man zum jetzigen Zeitpunkt darüber nur laut lachen kann.

Text: Brigitte Eberharter
Mein Trainer war übrigens Willi Rozsnyai, der im Jänner 2009 freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Ich habe im Jahr 2007 mit dem Tennisspielen begonnen.

12. Kulinarische Auslese

Hahnenkammrennen 2011