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Gerhard Berger

LR Elisabeth Zanon

Holzhändlerin Andrea Sandbichler

Holz bestimmt das Leben von Andrea

Man wird immer daran erinnert eine Frau zu sein

Holzhändler – stämmig, verwurzelt, mit allen Wassern gewaschen, eine Domäne der Männer. Einzelne Ausreißer gibt es jedoch in fast allen geschlechtsspezifischen Branchen und so auch hier. Andrea Sandbichler aus Kundl dürfte derzeit wohl die einzige Holzhändlerin in Österreich sein.

Der Holzhandel befindet sich im Umbruch. In den letzten Jahren wurden sehr viele Sägewerke gebaut. Früher konnte man einen Großteil des Holzes aus Deutschland importierten. Heute ist das nicht mehr rentabel. Auch dort wurde in die Infrastruktur investiert, nicht selten von österreichischen Firmen. „Ich bin glücklich am heimischen Markt“, sagt Andrea Sandbichler. Bei heimisch bezieht sie in dem Fall neben Tirol die Bundesländer Oberösterreich, Salzburg und Steiermark mit ein. Dort kauft sie Holz ein – von Gemeinden, Waldgemeinschaften und in erster Linie direkt von Bauern. „Wir übernehmen auch Schlägerungen, Seilbringungen, Ablieferung im Sägewerk, Sortierung mit dem Waldaufseher und die Vermarktung an die richtige Säge“, erklärt Sandbichler. Das Wir stellt ein Team dar, auf das sie im Bedarfsfall zugreifen kann. Außer dem eigentlichen Holzhandel ist bei der WTA – Wood Trading Agency von Andrea Sandbichler alles outgesourct. Die Leistungen werden ganz nach Bedarf zugekauft.
Der Holzpreis ist natürlich ein massives Argument dafür, ob man den Zuschlag bei einer Schlägerung bekommt. Neben den zahlreichen männlichen Kollegen gibt es als Mitanbieter vermehrt den Maschinenring. Dies sind jedoch subventionierte Betriebe der Landwirtschaftskammern. Zudem verfügen diese Unternehmen über genaue Zugangsdaten über künftige Schlägerungen, was den Wettbewerb ziemlich verzerrt.
Sandbichler legt größten Wert auf Zufriedenheit aller Beteiligten. „Ich mag den persönlichen Kontakt zu den Bauern. Es ist immer wieder interessant für mich zu sehen, wie jemand mit seinem Wald umgeht, wie wertvoll er ihm ist.“
Jährlich hat Sandbichler etwa mit 500 Bauern Kontakt und es erscheint ihr angenehm, wenn auch die Bäuerin was mitzureden hat. Probleme damit, dass sie eine Frau ist, gibt es selten, aber doch immer wieder einmal. „Nein! Mit einem Weiberleut Holzhandeln, das kann ich nicht“, sagte ihr ein Bauer. Mit derart klaren Argumenten kann die Kundlerin leben. Weniger erfreulich ist der Ton mancher männlichen Kollegen, wenn es sich um Konkurrenzsituationen handelt. „Da lässt der Gentleman schnell aus.“ Auch wenn es darum geht mit einem Kollegen gemeinsam ein Paket zu schnüren, dass vernünftig und schlagkräftig wäre, dann ist das für die weibliche Holzhändlerin entsprechend schwieriger. Man will offensichtlich in der Männerdomäne unter sich bleiben.
Holz hat in Andreas Leben immer eine gravierende Rolle gespielt. Sie ist am Sägewerk ihres Großvaters aufgewachsen. Das Bretterklauben gehörte von Kindheit an zu ihren Tätigkeiten. Gerne erinnert sie sich daran zurück. „Die Säger hatten damals alle ihr Mittagessen mit, das sie im Aufenthaltsraum wärmten. Ich war immer neugierig darauf, was ihre Frauen ihnen gekocht hatten und durfte alles probieren.“
Nach dem Verlust des Sägewerks gründete ihr Vater Adolf in den 80er Jahren die WTA. Andrea besuchte die Ferrarischule und begann die Dolmetscherschule, die sie jedoch nicht beendete. 25 Jahre verbrachte sie dann im Ausland. Fünf Jahre davon in Kairo auf der Botschaft, 20 Jahre in Amerika. Dort war sie im Marketingbereich tätig, hat große Events organisiert. „Auch als ich in großen Städten lebte habe ich immer die Natur gesucht. Der Wald und die Berge sind mir immer abgegangen.“ Vor sechs Jahren ist Andrea in den väterlichen Betrieb eingestiegen. Es gibt zwar vier Brüder, doch die sind alle anderwärtig tätig. Anfangs hat sie die Büroleitung übernommen, doch ein schwerer Skiunfall ihres Vaters stieß sie dann an die vorderste Front. „Man hat mir die Härte Tirols zu kennen gegeben“, resümiert die Ein-Frau-Unternehmerin. Verlässlichkeit und Pünktlichkeit, vor allem wenn es um die Zahlung geht, das lieben die Bauern und daran hält sich Andrea. Mehrmals wöchentlich ist sie draußen im Wald. Zum einen, wenn sie mit den Besitzern das Schlägerungsgebiet ansieht, zum anderen, wenn sie die Holzfäller dort besucht, nachsieht, ob alles in Ordnung ist und sie mit einer Jause versorgt. Andrea hat sich an den rauen aber herzlichen Umgang mit den Arbeitern gewöhnt. „Man wird immer wieder an das Frausein erinnert“, lacht sie. Und sei es dadurch, dass man ihr ein Stück Baustamm schenkt, das mithilfe einiger Schnitte mit der Motorsäge unverkennbar einen weiblichen Körper darstellt. Wenn sie mit ihren amerikanischen Freunden telefoniert, dann ist es für diese unverständlich, dass eine Frau in der „wilden Natur“, mitten unter Männern, ihren Mann steht. Darüber kann Andrea nur lachen. Ihre Wurzeln haben sie dorthin zurück gebracht, wo ihre Familie seit Generationen tätig ist. Geprägte Gesichter sammelte sie seit kurzem auf fotografische Art. Menschenbilder, natürlich und ausdrucksvoll – so wie sie selbst.