Walter Oberlechner - Für Fußballfans
Walter Oberlechner
„Der Sportler muss auch als Mensch funktionieren“
Seine Mutter ist gestorben als er vierzehn Jahre alt war. Sein Vater nahm in daraufhin vom Gymnasium, schickte ihn zum Siechenhausbauern als Knecht. Selbst suchte er sich eine Lehrstelle, holte die Matura nach, stieg bei Versicherungen die Karriereleiter hinauf und motiviert heute Sportler zu mehr Leistung. So könnte man das Leben von Walter Oberlechner auf den Punkt bringen.
Geboren ist Walter Oberlechner am 7. Jänner 1934 in Lienz. Sein Vater Alois war Kunstmaler, die Ornamente im Rathauskeller in Wien stammen von ich, zu seiner Mutter Maria, die aus Spittal kam, hatte er ein inniges Verhältnis. Von ihr hat er auch seine wunderbare Stimme geerbt, die ihm später auf seinem Lebensweg weiterhelfen sollte. Seine Mutter war längere Zeit krank gewesen und als sie starb befand sich Walter gerade im Zirkus, der in Lienz gastiert hatte. Er war von seiner Mutter dazu animiert worden hinzugehen, doch sein Vater nahm ihm dies so übel und da er überhaupt eher zur Jähzornigkeit neigte, nahm er den jungen Walter vom Gymnasium und schickte ihn als Knecht zum Bauern zur Arbeit. „Ich fühlte mich als abgestempeltes Kind“, erinnert sich Walter Oberlechner. Er suchte sich daher selbst eine Lehrstelle und fand diese im Lebensmittelgeschäft von Theodor Hibler. Dabei musste er unter anderem die 50-Kilo-Säcke vom Keller ins Geschäft tragen und acht Monate vor der Abschlussprüfung hat sich bei ihm aus diesem Grund die Hüfte verschoben. Ein dreimonatiger Krankenhausaufenthalt folgte und da ihm fortan untersagt wurde schwer zu tragen, wurde ihm auch gleich die Lehrstelle gekündigt. Also zog es ihn nach Innsbruck, dort fand er eine Import-Export Firma, bei welcher er den Lehrabschluss ablegen konnte. Und in der Folge hat Oberlechner auch noch die Matura nachgeholt. Danach versuchte er sein Glück in Lienz. Walter Mussner hat kleine Holzhäuser hergestellt, diese nach Sizilien exportiert und Oberlechner ging für ein halbes Jahr nach Italien um diese Häuser an Ort und Stelle zu streichen. Wieder retour in Lienz gab es keine Arbeit also hat er zusammen mit Freunden singend sein Geld verdient. Eine Wiener Familie, die als Gast in Lienz weilte, war so von Walters Stimme begeistert, dass sie ihn animierte nach Wien zu kommen. Als sich eine Gelegenheit zum Mitfahren bot überlegte er nicht lange. Fünf Schilling waren seine Habe und zu Fuß begab er sich in der Bundeshauptstadt auf den Weg um zur besagten Familie zu gelangen. Als der Hausherr in sah war dieser verblüfft. Er hatte in Wahrheit niemals damit gerechnet und das vermeintliche Engagement für Walter hat sich im Nu in Luft aufgelöst. Dann hat er jedoch von einem Gesangswettbewerb erfahren. „Heute würde man es Starmania nennen“, erklärt Oberlechner. Im ORF bei Walter Niesner musste er vorsingen. Und von 96 Bewerbern ging Walter Oberlechner als Sieger hervor. Der Lohn war ein Jahresstipendium für musikalische Ausbildung. Daraus wurde ein abgeschlossenes Studium in Oper und Schauspiel. „Ich brauchte aber auch Geld und so habe ich mich bei der Allianz Versicherung für den Innendienst beworben.“ Aufgrund seiner vielfältigen Talente hat er sich innerhalb von drei Monaten vom Archivbeamten hinauf gedient und in der Folge wurde er nach Deutschland geschickt, um eine Ausbildung in Kommunikationstechniken, Verkaufspsychologie, Betriebspsychologie, Marketing und Menschenführung zu absolvieren. Von der Donau Versicherung wurde er dann abgeworben und dort als jüngster Direktor engagiert. Wie begehrt sein Können war zeigte sich darin, dass er wiederum abgeworben wurde, diesmal von der Grazer Wechselseitigen. Dort begann Walter Oberlechner Seminare zu leiten und er kam in regen Kontakt mit Wirtschafts- und Sportgrößen. Aufgrund einer persönlichen Pensionsabsicherung kam es zu einer Meinungsverschiedenheit, die Oberlechner dazu veranlasste, bei der Bundesländer Versicherung nach einem Job zu fragen. „Die boten mir sofort an Generaldirektor eines neuen Unternehmens zu werden. Die sieben größten Versicherungen und die Wirtschaftskammer hatten sich zusammen getan“, erklärt der Lienzer. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass diese Firma lediglich zur Parteienfinanzierung ins Leben gerufen worden war und nachdem Oberlechner als Geschäftsführer bei einem 2-Millionen-Schilling-Deal nicht mitgespielt hatte, stand er 57-jährig ohne Job da. Also entschied er sich für die Selbständigkeit. Neben seinen Seminaren über Psychologie engagierte sich Oberlechner auch noch für den österreichischen Reifenhandel. In diesem Zusammenhang lernte er Gunnar Prokop kennen. Die Psyche lenkt die Motorik – das war damals eine völlig neue Behauptung und Oberlechner engagierte für die Handballerinnen der Hypo Südstadt ein Malseminar am Zentersfeld und unter anderem lernten sie auch Gitarre spielen in Frankreich. In der Folge erlangten sie fünf Mal den EC-Sieg. 1998 machte Oberlechner erstmals Erfahrung mit dem Fußballsport. Natürlich hatte er sich schon vorher für diesen Sport interessiert und als Kind auch gerne gespielt, doch zu dem Zeitpunkt wurde ihm bewusst, dass diese wie Idioten behandelt wurden, andererseits äußerst sensible Sportler waren und daher oftmals ihre Leistung nicht erbringen konnten. Walter Schachner wollte Oberlechner bei Frank Stronachs Verein einführen, doch die mentale Einstellung des Managements führte dazu, dass sich Oberlechner dagegen entschied. Dafür entstand jedoch eine Zusammenarbeit mit Hickersberger bei Rapid und diese Mannschaft errang zwei Jahre später den Meistertitel. Bei SK Ried war Oberlechner ebenso tätig, wie in der GAK Akademie. „Ich möchte beweisen, dass man mit jedem Verein Meister werden kann“, ist Oberlechner zuversichtlich. Derzeit arbeitet er intensiv mit 1860 München. In Debant hielt Walter Oberlechner vor einiger Zeit ebenfalls einen Vortrag und die Spieler waren begeistert und konnten diese Begeisterung auch umsetzen. „Man sollte einen Osttiroler Fußballclub installieren“, meint Oberlechner, der es als sein größtes Talent sieht, Gedanken in Worte kleiden zu können und die Dinge so auszudrücken, dass sie jeder versteht.
Seit 39 Jahren ist Walter Oberlechner mit Christine verheiratet. Aus erster Ehe hat er zwei Söhne, die beide in Südafrika leben. Andreas war Wiener Sängerknabe, hat also das Talent des Vaters geerbt. Er ist heute Humanbiologe. Marcus ist Rechtsanwalt. Er hat eine Enkeltochter. Seine Gattin Christine ist wissenschaftliche Beraterin. Das Ehepaar hat in Klaus in Oberösterreich eine Villa gekauft und lebt teils dort und zeitweilig auch in Wien.
Als Walters Mutter gestorben war gab es für ihn praktisch kein Elternhaus mehr und so wurde er von der Familie Stampfer, einem Mundartdichter, aufgenommen. Frau Stampfer sagte immer: „Walter du machst das schon“, und das gab dem jungen Menschen ungeheuren Auftrieb seinen Weg zu gehen. „Ich glaube, dass durch eine schlimme Kindheit der Mensch mehr lernt. Er muss immer an seine Grenzen gehen“, sagt Oberlechner.
Durch seine Schwester Hildegard, sie ist Ordensschwester in Salzburg, kam Walter zur Ikonenmalerei. Und durch sie lernte er Georgi Ladsapize kennen. Ein begnadeter Klavierspieler aus Georgien. Zusammen haben sie schon mehrere Konzerte bestritten – Walter Oberlechner als Moderator. Auch in Lienz gab es zwei Konzerte.
„Ich habe vor mit 90 Jahren halbtägig zu arbeiten. Denn solange wir neugierig sind, sind wir lebenssüchtig. Schließlich stirbt erst das Gehirn und dann der Mensch.“
