LR Elisabeth Zanon
Elisabeth Zanon als rasante Motorradfahrerin
„Sagen Sie einfach Frau Zanon – das bleib ich immer.“
Die Frage stellt sich immer wieder: sagt man zu Elisabeth Zanon nun Landeshauptfrau oder Frau Landeshauptmann? Sie selbst kann darüber nur lachen und meint: „Sagen Sie ganz einfach Frau Zanon, denn das bleibe ich immer.“
Elisabeth Zanon ist am 13. Juni 1955 in Lienz geboren. Als fünftes von acht Kindern von Elisabeth und Friedolin Zanon aus Leisach. „Mein Bruder Bernhard hat daheim drangebaut und wohnt mit seiner Gattin und den vier Kindern dort. So lebt unsere 83-jährige Mutter gut eingebetet in der Familie“, erklärt die Stellvertreterin des Landeshauptmannes von Tirol. Ihr bereits verstorbener Vater war Stadtamtsleiter in Lienz, wurde Bürgermeister und aktiver Politiker auf vielen Ebenen. „Aufgewachsen ist mein Vater in bescheidenen Verhältnissen. Mein Opa war Schwellenhacker, ein ausgestorbener Beruf. Er war Welschtiroler und wurde in Lienz noch als Gastarbeiterkind verschrien“, erinnert sich Zanon an frühere Erzählungen ihrer Eltern.
Die Volksschule besuchte die heutige Politikerin in Leisach. Danach wechselte sie ins Gymansium nach Lienz. Und an diese Zeit können sich wahrscheinlich noch einige Lehrer erinnern. „Ich war eine absolut schlechte Schülerin“, gesteht Zanon. Es gab ganz einfach zu viele andere Dinge, die sie interessierten. Absolut nicht klar kam sie mit Italienisch. Als sie wieder einmal ein Nichtgenügend in diesem Fach eingefangen hatte meinte sie zu ihrem Professor: „Sie haben die einzigartige Chance mich loszuwerden, wenn ich durchkomme und dann ins Mupäd wechseln kann.“ Diese Chance hat er offensichtlich genützt.
Elisabeth Zanon gesteht heute selbst, dass sie ihrem Vater alles angetan hat, was eine wilde pubertierende Göre grad so drauf hat. Vor allem aber hat sie mit ihrer Freundin die Schule geschwänzt – eh klar, dass die Entschuldigungen selbst geschrieben wurden. „Bei der Stadtmauer gab es eine Nische, die war überdacht. Dort haben wir unsere Schultaschen abgestellt und dann sind wir in die Milchbar gegangen. In dem Lokal trafen sich alle Schulschwänzer der Stadt“, sagt Zanon. Alkohol hat bei diesen Jugendlichen, im Gegensatz zu heute, allerdings kaum eine Rolle gespielt. Modisch gekleidet zu sein, das Bedürfnis hatte Elisabeth Zanon jedoch schon in jungen Jahren und als die Röhrenjeans modern war galt bei ihrem Bruder die Aussage: bist heute wieder vom zweiten Stock in die Hose gehüpft. Dieses Modebewusstsein hatte natürlich auch seine Verhängnisse, denn einmal musste die Landeshauptfrau tatsächlich eine Klavierstunde schwänzen, weil ihr der Reißverschluss der Jeans geplatzt war.
Obwohl Mitglied der Marianischen Kongregation der Jesuiten ist Elisabeth Zanon während ihrer Schulzeit zum evangelischen Club gewechselt. Der damalige Pfarrer Sturm führte so anregende Diskussionsrunden, dass viele Katholiken auch diesem Club beitraten. Sozusagen ein Höhepunkt ihrer flegelhaften Jahre war die Idee, die Schule zu beenden und auf die Matura zu verzichten. „Du kannst das schon machen, aber dann kommst halt zum Palhuber um Unterhosen zu nähen“, meinte ihr Vater nur und dabei blieb er unerbittlich. Das war dann aber doch nicht jene Aussicht, die sie sich für ihr weiteres Leben vorgestellt hatte und so gab es nur eins: die Matura schaffen. Für danach hatte sie sich überlegt Gartenbauarchitektur zu studieren. Dazu hätte sie jedoch in Wien leben müssen und das ließ der Vater nicht zu. Es lag zu weit außerhalb seines Einflussbereiches. „Er hatte die Idee, dass ich Rechtswissenschaft studieren sollte oder Lehrerin werde.“ An Medizin hatte sie während ihrer Schulzeit am allerwenigsten gedacht. Als dann eines Tages ein Professor die Frage stellte: „Und Zanon, was studierst du?“, da hatte die aufbegehrende junge Frau das Bedürfnis ihm etwas zu sagen, mit dem er absolut nicht rechnen würde. „Medizin“, lautete daher die Antwort. Und als es einmal ausgesprochen war gab es für Elisabeth Zanon auch kein Zurück mehr. Was einmal gesagt ist, daran hält sie sich.
In Innsbruck absolvierte sie das Medizinstudium. Im achten Monat schwanger legte sie die Pathologieprüfung ab und als dann Tochter Dorothea zur Welt kam, diese ist heute 27 Jahre alt und studiert Literaturwissenschaften in Wien, änderte sich das Leben der jungen Medizinerin vollkommen. Die Verantwortung für das junge Leben ließ sie das Studium so schnell wie möglich abschließen, danach die Turnusausbildung in Lienz, und anschließend folgte eine Ausbildungsstelle in der Plastischen Chirurgie in der Innsbrucker Klinik, wo sie in der Folge Oberärztin wurde. Eigentlich wollte sich Elisabeth Zanon habilitieren, also die Lehrberechtigung für die Universität erlangen. Dieses Anliegen wurde jedoch seitens der Klinik nicht unterstützt so eröffnete sie nach zwölfjähriger Erfahrung als Ärztin eine Privatpraxis.
Der Einstieg in die Politik kam für Elisabeth Zanon völlig unerwartet und ungeplant. „Daheim wurde viel politisiert und unterschwellig habe ich sehr viel politische Bildung erhalten“, erklärt sie. Während ihrer Zeit als Ärztin hatte sie oft den Wunsch etwas sagen zu können, doch die Idee in die Politik zu gehen, kam ihr deshalb nie.
Es war der damalige Landeshauptmann Wendelin Weingartner, der sie als Quereinsteigerin in sein Team aufnahm. „Ich denke es war die Tatsache, dass er das Gesundheitswesen in ÖVP-Hand wissen wollte, dass er eine Frau im Team brauchte und dass der Name Zanon allgemein bekannt war“, resümiert die Landeshauptmann-Stellvertreterin. Als sie zum ersten Mal in ihrem Leben den Regierungssaal betrat saß sie gleich als Akteurin auf der Regierungsbank. Heute gesteht sie, dass sie absolut blauäugig in die Politik gewechselt ist und dass sie sich das mit ihrem heutigen Wissen nicht mehr getrauen würde. „Quereinsteiger braucht es aber, da diese andere Sichtweisen in die festen Netzwerke bringen“, sagt Zanon. Als Landesrätin ist sie in die Politik eingestiegen, sie ist Obfrau der ÖVP-Frauenbewegung und seit 2006 Stellvertreterin von LH Herwig van Staa.
Privat genießt Elisabeth Zanon die karge Freizeit mit ihrem Mann …. , mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet ist. Er hat eine Professur in Düsseldorf inne und er fährt ebenso gerne wie seine Gattin nach Osttirol. „Ich gehe sehr gerne am Berg und habe das Glück, dass mein Mann sehr viele schöne Plätze kennt und dass auch meine Tochter Dorothea gerne dabei ist“, schwärmt Elisabeth Zanon. Zudem ist sie seit vielen Jahren Fischerin. Allerdings nicht am stehenden Gewässer sondern an Bächen. „Das Wasser beobachten, das Gehen, da kann ich so richtig entspannen.“
