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Generalmajor Dieter Heidecker

Dr. Kurt Blaas

Als erster in Österreich das Methadonprogramm umgesetzt

Dr. Kurt Blaas ist gebürtiger Lienzer. In Graz und Wien hat er Medizin studiert. Nebenbei arbeitete er beim psychosozialen Dienst und dort lernte er die gesamte Drogenproblematik in Österreich kennen. Als erster Arzt hat Dr. Blaas das Drogenersatzprogramm mit Methadon in der Praxis umgesetzt.

1978 hat Dr. Blaas sein Studium in Graz begonnen. Aufgewachsen ist er am Grafenanger. „Kindergarten, Volksschule, Gymnasium und Muped lagen alle in unmittelbarer Umgebung zu unserer Wohnung. Bis zu meinem 18. Lebensjahr bin ich fast nie weiter als ein paar hundert Meter davon entfernt gewesen“, erinnert sich der Wahl-Wiener. Seine Eltern waren Anton und Anna Blaas. Der Vater war Portier im Krankenhaus Lienz und dort besuchte ihn der junge Kurt gerne. Seine Schwester Ilse Weißkopf lebt nach wie vor in Lienz und sie ist sein heutiger Bezugspunkt in seine Heimatstadt.
Im musisch-pädagogischen Gymnasium lernte Kurt Blaas die klassische Gitarre zu spielen und war allgemein sehr musikbegeistert. Ein Zeugnis davon ist die Blaas-Kapelle, die Kurt zusammen mit einigen Mitschülern und Kollegen, etwa Ulli Jäger und Josef Mitterer, gründete. Nach der Matura wollte Kurt Blaas aber einfach weg aus Lienz und sein Kollege Josef Klammer war ein Grund dafür, dass er nach Graz wechselte. Etwa drei Jahre war der Lienzer in der Steiermark, dann zog es ihn nach Wien.
Aufgrund einer Drogenproblematik eines Kollegen interessierte sich Dr. Blaas schon als Student für Drogen und den damit verbundenen Auswirkungen gesundheitlicher und sozialer Natur. Bereits 1981 hat Kurt Blaas an der ersten österreichischen Drogenambulanz mitgearbeitet. Das war ein enormer Erfolg. „Es gab es eine heiße Diskussion darüber, ob der Entzug mit oder ohne Methadon erfolgen sollte. Wir hatten keinerlei Erfahrungen damit. Mit dem Apotheker sprachen wir uns ab, wie wir das Methadon am besten verabreichen könnten. Wir mischten es schließlich mit Sanostol, einem Vitaminpräparat für Kinder. Da dieses klebrig süß ist, war die Gefahr gering, dass die Drogenkranken einen Liter auf einmal austrinken würden“, erklärt Dr. Blaas.
Nach Beendigung des Studiums stellte sich die heiße Frage nach einem Turnusplatz in einem Krankenhaus. „Als Tiroler hatte man in Wien gar keine Chance“, erinnert sich Dr. Blaas. Der Heeressanitätschef Hubert Graptschik fordert ihn auf, den Turnus beim Österreichischen Bundesheer zu absolvieren. Nach drei Wochen war er beim Heeresspital in Wien untergebracht und von dort aus wurde er als Legionär in diverse Spitäler weiter geleitet, weil man gewisse Teile der Ausbildung beim Bundesheer nicht absolvieren kann. Mit dem damaligen Heeressanitätschef konnte er ein so genanntes Karrieregespräch führen und dies führte dazu, dass Dr. Blaas Truppenarzt in der Maria Theresien Kaserne in Wien wurde. Es ist dies jene Kaserne mit der höchsten Durchlaufzahl der Patienten. In Teilzeit ist Hauptmann Arzt Dr. Blaas auch heute noch dort beschäftigt.
Mittlerweile führt Dr. Kurt Blaas eine eigene Praxis in der Lindengasse, im Stadtzentrum von Wien. Diese Praxis hat er anfangs immer wieder in Vertretung geführt, dann wurde sie ihm zur Übernahme angeboten. Dr. Blaas bezeichnet sich in seiner homepage www.blowdoc.at als Arzt für moderne Allgemeinmedizin. Tatsächlich ist er jedoch Vorreiter in einer ganz bestimmten Sache. Die österreichische Arbeitsgemeinschaft CAM - ein Zusammenschluss von heimischen Ärzten -, die für die Freigabe der medizinischen Verwendung von Cannabis eintritt, ist Mitglied der Internationalen AG Cannabis als Medizin. Vorstand ist Dr. Kurt Blaas Zu seinen Patienten zählen mittlerweile Krebs- und Aidskranke, Multiple Sklerose Patienten, Epileptiker, Magersüchtige und viele andere, denen er Dronabinol verschreibt. „Begonnen hat alles damit, dass eine Gruppe junger Leute zu mir kam. Sie meinten, dass ich mich doch gut mit Cannabis auskennen würde. Einer der Gruppe hatte einen Tumor, erhielt eine Chemotherapie und diese zeigte enorme Nebenwirkungen. Mit Cannabis, so meinten die Jugendlichen, würde man dem entgegenwirken können“, erzählt Dr. Blaas und er informierte sich sofort in Deutschland darüber. Dort gibt es die „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“, schon länger. Und obwohl an der Neurologischen Abteilung der Innsbrucker Universitätsklinik bereits eine Studie zum Einsatz von Cannabis bei Multipler Sklerose mit Erfolg durchgeführt wurde, ist es nicht einfach, einen Arzt zu finden, der mit diesem Suchtmittel behandelt. „Ich musste anfangs eine Apotheke suchen, der es erlaubt war das synthetische THC zu importieren. Anfangs erhielt ich nur ein Gramm Canabis, mittlerweile werden von der EU-Kommission fünf Gramm pro Import genehmigt“, erklärt der 48-jährige Mediziner. Informationen zu diesem Thema gibt es unter www.cannabismedizin.at Als Experte auf diesem Gebiet muss Dr. Blaas immer wieder Rede und Antwort stehen. Sehr oft auch in den Medien und seine Auftritte im Fernsehen gehören daher schon fast zur Routine.
Freizeit ist bei Dr. Kurt Blaas rar gesät. Denn neben den Patienten in der Ordination macht er auch Hausbesuche und diese sind in Wien zeitraubend. „Ich bin eigentlich auch ein gelernter Konditor. Denn während der Schul- und Studienzeit habe ich in den Ferien immer bei meiner Tante in Millstadt als Konditor gearbeitet“, erzählt der Osttiroler. Dort hat er das Gefühl für die Küche und für gutes Essen bekommen. Und das begeistert ihn heute noch.