Der Schulschluss naht
Der Schulschluss naht
Nur mehr wenige Wochen und dann heißt es wieder: hurra Ferien! In manchen Familien wird es heftige Debatten darüber gegeben haben, in welche Schule das Kind jetzt weitergehen soll. Nun hat sich herausgestellt, dass manche Gymnasien hoffnungslos überfüllt sind. Da wird der Stress für die Kinder in den kommenden Jahren nun erst recht einsetzen. Denn so manche ehrgeizigen Eltern wollen natürlich ihr Kind absolut nicht in der Hauptschule sehen und diesen Druck werden die Volksschüler künftig vermehrt zu spüren bekommen.
Dabei frag ich mich immer: wozu das ganze Theater? Seit Jahren schreibe ich eine Portraitserie über erfolgreiche Menschen. Und dabei stellt sich immer wieder heraus, dass es nicht unbedingt die Art der Schule ist, die diese Leute erfolgreich gemacht hat. Es ist vielmehr ihr eigener Wille, der sie dazu beflügelt mehr aus sich selbst zu machen. Ob mit zehn Jahren ins Gymnasium oder mit 14 Jahren in eine weiterführende Schule spielt also wirklich keine Rolle für den späteren Berufserfolg. Ich weiß, manche werden mich für diese Aussage verdammen. Aber das ist schlichtweg das, was mir die Praxis zeigt.
Es ist selbstverständlich, dass die Eltern für ihre Kinder das Beste wollen und dass sie diese fordern sollten. Doch so wie viele Erwachsene in der Berufswelt nicht mehr zu Rande kommen, weil sie ständig unter Leistungsdruck stehen, so halten auch manche Jugendliche diesem Druck auf Dauer nicht stand. Bei uns Erwachsenen ist es nicht unüblich, sich abends, nach den Anstrengungen des Arbeitstages, ein Bier oder ein Glas Wein zu gönnen. Zur Entspannung sozusagen. Wenn ich mir ansehe, was die Jugendlichen heute lernen müssen, wie viel Stunden sie „beim Arbeiten“ sind, dann ist es selbstverständlich, dass auch sie Entspannung suchen. Leider nehmen sie da uns Erwachsene viel zu oft als Vorbild.
Vielleicht sollte man sich in der ganzen Diskussion um alkoholisierte Jugendliche auch einmal die Perspektiven dieser Jugend ansehen: Leistungsdruck von der Volksschule bis zum Schulende, weil nur die besten Noten zählen. Ich muss gestehen, dass ich während meiner Schulzeit so manchen Fünfer eingefangen habe. Glauben Sie, dass sich während meines Berufslebens irgendjemand dafür interessiert hat? Außerdem übe ich heute einen ganz anderen Beruf aus, als ich ursprünglich von meiner schulischen Ausbildung her erlernt habe.
Lernen mussten auch wir und meistens hatten wir auch noch Aufgaben innerhalb der Familie zu übernehmen. Es war ein Geben und Nehmen von Kindesbeinen an. Heute ist es meist nur mehr ein Nehmen weil uns Erwachsenen die Toleranz fehlt. Die Eltern erledigen das Aufräumen selber, weil das schneller geht als sich dabei mit den Eigenheiten der Kinder auseinander zu setzen. Dann ist die berufstätige Mutter überfordert und der Jugendliche gelangweilt, weil es außer schulischem Stress nichts gibt. Das „Betriebsklima“ ist in Disharmonie – also Prost!
