Lesen
Lesen ist mehr als ein paar Schlagzeilen
Das Museum in St. Johann lädt den ganzen Sommer über zu einer wunderbaren Ausstellung ein. Es kommen dabei nicht etwa nur Leseratten zum Zug, es ist auch ein Fest für Maler und Zeichner. Denn es geht dabei um Kinderbücher - aus vielen Ländern und in unterschiedlichen Sprachen. Farbenprächtig und einladend.
Es klingt ja schon fast absurd, dass sich noch ein paar Idealisten bereit erklären, gegen den Strom zu schwimmen. Denn eins ist schon klar, dass diese Ausstellung wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit seitens der Kids auf sich lenken würde, wenn irgendwelche actiongeladenen Computerspiele geboten werden. In diesem Fall würden die Kinder und Jugendlichen von selbst hingehen. Bei Kinderbüchern allerdings braucht es Animation seitens der Eltern oder Großeltern. Meine Generation hat sich noch mit Kinderbüchern die Zeit vertrieben, schließlich gab es den Kasperl ja auch nur einmal in der Woche im Fernsehen. Meine Eltern lasen mir Geschichten vor, ich hab sie meinen jüngeren Geschwistern vorgelesen und schließlich auch meinem Sohn. Vielleicht war es der Grundstein dafür, dass er heute noch ein Büchernarr ist.
Ich hab aber auch schon Tausenden Kindern in den Volksschulen vorgelesen, da ich selbst Kinderbücher schreibe. Der Großteil der Kinder ist durchaus bereit das Fernsehen gegen ein Buch zu tauschen. Dazu braucht es allerdings ein Vorbild und dazu sind wahrscheinlich Omas und Opas besser geeignet wie die Eltern. Denn diese strahlen auch die nötige Ruhe aus, die man braucht um sich einem Buch hinzugeben. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass es ein paar Herren eher reiferen Semesters sind, die diese Kinderbuchausstellung in St. Johann organisiert haben. Wahrscheinlich hängen sie damit auch den schönen Zeiten ihrer Kindheit nach. Da das Unterhaltungsangebot nicht so groß und abwechslungsreich war wie heute, hatte ein Buch eine ganz andere Bedeutung wie heute. Es war was Kostbares in dem man immer wieder blätterte. Den Herren kann man gratulieren. Ihre Erinnerungen und Schätze zu präsentieren ist ihnen gelungen und die erwachsenen Besucher freuen sich manchmal mehr darüber, wie die Kleinen.
Lesen ist Abenteuer im Kopf – so sage ich zu meinen Zuhörern oftmals. Und wie unterschiedlich diese Abenteuer und Phantasien sind, darüber bin ich wirklich oftmals erstaunt. Denn gegen Ende der Stunde lese ich den Kindern ein Stück aus einem meiner Büchern vor, zu dem ich sie dann animiere, dass sie die Geschichte fertig schreiben. Ich hab hunderte solcher Geschichten daheim und habe schon Tränen gelacht beim Lesen. Sie sind einfach wunderbar. Vor allem zeigen sie mir aber, dass sich Kinder durchaus zu ruhigeren Tätigkeiten animieren lassen und mit Freude dabei sind. Sofern es daheim ein Vorbild für fernsehfreie Tage gibt und jemanden, der bereit ist, jene Fragen zu beantworten, die entstehen, weil die Fantasie des Lesers ein Teil eines Buches ist.
Diese Kinderbuchausstellung in St. Johann birgt viele Anregungen in sich, wie es nach dem 6. Oktober, wenn die Ausstellung geschlossen wird, weitergehen könnte. Lesen, seinen Fantasien nachhängen, Malen und Zeichnen, sich austauschen – das sollte schließlich auch Zukunft haben.
