Wohl bekomm's
Vor kurzem besuchte ich einen Freund im Krankenhaus. Wir saßen ein Weilchen im Freien und da hörte ich zufällig, wie eine Frau einer anderen klagte, dass sie bei ihrem letzten Krankenhausaufenthalt, der eine Woche gedauert hatte, mit zwei Kilo mehr an Gewicht nach Hause fuhr. „Man muss sich hier wirklich aufpassen“, meinte sie.
Als wir kurze Zeit später ins Zimmer zurückkamen, da stand bereits das Abendessen meines Freundes am Tisch. Er konnte sich damals nur sehr eingeschränkt mit Krücken bewegen, aber zu essen bekam er, als hätte er den ganzen Nachmittag Sport betrieben. Als er mir die übrigen Mahlzeiten so schilderte, da erhärtete sich in mir der Verdacht, dass man im Krankenhaus von gesunder Ernährung noch nie was gehört hat.
Die Ernährungsberater empfehlen, dass man zwei bis drei Mal in der Woche Fleisch isst. Im besagten Krankenhaus – aber ich denke, das ist in allen anderen ähnlich – ist davon absolut keine Rede. Denn Sinn dahinter kann ich nicht erkennen. Als Hausfrau weiß ich allerdings, dass eine Speise aus billigem Fleisch heute am günstigsten hergestellt werden kann. Zwar laufen allerorts die Kampagnen, dass man Produkte aus der Region einkaufen soll. LR Anton Steixner appelliert diesbezüglich immer wieder, ist dabei allerdings in erster Linie als Vertreter der Tirol Milch unterwegs. Einem genossenschaftlichen Unternehmen, wie es viele andere in Tirol gibt, die jedoch keinen so prominenten Befürworter haben. Dass es in Tirol auch Gemüsebauern gibt, und dass es für manch einen Bauern sinnvoller wäre von Kühen auf Gemüse umzusteigen, das interessiert ihn offensichtlich nicht. Was einmal ist, das muss immer so bleiben – auch wenn sich rundherum die Lebensbedingungen ändern!
Ich habe mich erkundigt und man sagte mir, dass man die Patienten, wenn sie schon krank sind und im Krankenhaus sein müssen, wenigstens mit gutem Essen verwöhnen will. Doch was ist gutes Essen? Sind es Nahrungsmittel, die die Heilung unterstützen oder die die Patienten gewöhnt sind? Die Politik appelliert zwar, dass man sich gesund ernähren soll, weil man ansonst dem Sozialsystem zu viel abverlangen würde. Wenn der Patient aber genau dort ist, wo man am raschesten auf seine Gesundheit Einfluss nehmen könnte, dann getraut man sich wieder nicht. Dann fragt man lieber den Patienten, ob er Diätkost oder Normalkost will, auch wenn man an seiner Statur schon erkennt, dass ihm eine reduzierte Kost keinesfalls schaden würde. Die Heiler früherer Zeiten wussten alle um die Vorteile des Fastens Bescheid und der diesbezüglich positiven Beeinflussung der Gesundheit.
Würstel, Speck-Wurst-Käse-Teller, Kaiserschmarrn – zur Heilung welcher Krankheiten tragen diese Mahlzeiten bei? Mag sein, dass der eine oder andere auch die paar Tage im Krankenhaus gar nicht recht auf eine gesunde Ernährung umstellen mag. Dann kann man es ja so handhaben wie in anderen Ländern, wo die Verwandtschaft für die Verpflegung der Angehörigen sorgt. Das Haus der Kranken hat ja nicht von ungefähr den Namen. Denn eigentlich müsste es doch Gesundungshaus heißen. Aber mit solch einer Einstellung kann halt ein Krankenhaus nicht überleben. Denn es gibt ja innerhalb des Krankenhaus-Verbandes ein System, dass die Häuser bewertet, wie die Hotels. Die Auslastung zählt. Und wenn ein Patient sein gewohntes Schnitzel am Sonntag nicht bekommt, dann wählt er halt ein anderes Krankenhaus. Gesunde Ernährung hin oder her – letztendlich zählt nur die Auslastung und die will man mit allen Mitteln erreichen. Schließlich hängen eine ganze Menge Arbeitsplätze damit zusammen. Und wo käme man denn hin, wenn man jeden Patienten auch noch über die Rolle der Ernährung während der Krankheitsphase aufkläre müsste. Es gibt ja so schon mehr als genug zu tun in so einem Krankenhaus.
