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Kuriose Ideen

Es muss der öffentlichen Hand wirklich an allen Ecken und Enden fehlen, wenn man sich die sinnlosen Einsparungspotentiale der Politiker anhört. Nun tauchte gar die Idee auf, dass das Kindergeld gekürzt werden soll, wenn ein Kind einen Fünfer im Zeugnis hat. Abgesehen vom Chaos das es ohnehin schon gibt, wenn ein schlechtes Zeugnis heimgebracht wird, käme dann noch der finanzielle Aspekt dazu, der in vielen Fällen das Drama vergrößern würde und nicht zuletzt müsste wahrscheinlich ein Schiedsgericht für zweifelhafte Benotungen eingerichtet werden. Diese Einrichtung würde dann die mögliche Einsparung durch schlechte Noten wieder auffressen. Also - unnötiger Stress für alle Beteiligten.
Ich denke, man muss einfach akzeptieren, dass manche Kinder und Jugendliche erst später zu Höchstleistungen auffahren oder dies auch nie tun. Diese Problematik hat es doch immer gegeben. Manche lernen gern und leicht, andere haben hunderttausend andere Interessen. Da hilft alles Schimpfen und Drohen nichts. Das wahre Problem liegt doch bei der heutigen Arbeitswelt. Wir haben keine Plätze mehr für angelernte Arbeitskräfte. Ganz gleich, um welche Tätigkeit es sich handelt, es braucht Diplome, Zertifikate, Beurteilungen. Tatsächlich hätten wir eine ganze Reihe von Arbeiten, die durchaus von einer ungelernten Kraft erledigt werden könnten. Aber diese werden so schlechtgeredet, dass man sie einem Einheimischen gar nie zumuten kann. „Lern was, sonst kannst du nur Straßenfeger werden oder zur Müllabfuhr gehen!“ Solche und ähnliche Aussagen bewerten eine Arbeitsstelle ganz enorm. Ich muss gestehen, ich achte diese Leute immer mehr. Sie sind bereit den Dreck anderer Leute wegzuputzen, bei Regen, Kälte, nach Festen und Feierlichkeiten. Dabei ist doch nichts leichter, als sich gerade bei solchen Tätigkeiten eine „Berufsunfähigkeit“ zuzulegen.
Ich bin überzeugt davon, dass Kinder schon recht früh am Geben und Nehmen in der Familie beteiligt werden sollten. So lernen sie den Wert ihrer eigenen Arbeit kennen. Besagter Politiker sollte sich vor weiteren Maßnahmen erst einmal die Arbeitsweise des JUFF, einer Einrichtung des Landes Tirol ansehen. Zugegeben, es ist mittlerweile ein paar Jahre her, da war ich bei einer Diskussion, bei der es um das Taschengeld der Kinder ging. Da forderte die junge Dame des Juff, also eine Vertreterin des Landes, doch tatsächlich, dass an das Taschengeld keine Bedingungen geknüpft werden dürfen. Auf meine Frage, wann die Jugendlichen dann das Geben und Nehmen lernen sollten, konnte sie mir keine Antwort geben. Sie verurteilte aber aufs Strengste, dass ich von meinem Sohn immer altersgerechte Gegenleistungen für das Taschengeld gefordert hatte und wenn die Arbeiten nicht ausgeführt wurden, dann gab es eben weniger. Ich hingegen war fasziniert davon, wie mehrfache Eltern sich von derart unkompetenten Aussagen total verunsichern ließen.
Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum dieser Austausch von Geben und Nehmen so wichtig ist? Nun, wer als Kind und Jugendlicher nur das Nehmen gelernt hat, der wird dies auch als Erwachsener als selbstverständlich empfinden. Und letztendlich ist es auch eine persönliche Befriedigung, wenn man eine Arbeit zur Zufriedenheit erledigt hat, wenn man dadurch immer höherwertige Arbeiten zugeteilt bekommt. Zuerst von den Eltern, dann von den Lehrern, den Lehrherrn und den nachfolgenden Arbeitgebern.

Erschienen im Juli im Koasaboten