Der Maulkorb
Der Maulkorb
Kürzlich hatte ich das Vergnügen beim Neujahrsempfang des Tiroler Kameradschaftsbundes im Militärkommando in Innsbruck dabei sein zu dürfen. Nachdem Präsident Hermann Hotter erklärt hatte, dass die Kameradschaft klar zur Beibehaltung der Wehrpflicht steht, wurde Militärkommandant Herbert Bauer darum gebeten, zur derzeitigen Bundesheerdebatte einiges zu sagen. Aber – der Kommandant blieb stumm. Also, nicht ganz. Er erklärte, dass es vieles zu sagen gäbe, dass den Offizieren aber von Seiten des Ministeriums ein Maulkorb verpasst worden sei. Das passt direkt zu der Erfahrung, die ich vor etwa einem Monat machen musste. Ich hab dem Herrn Minister Darabos geschrieben und hab eine Antwort bekommen, die mit der eigentlichen Sache überhaupt nichts zu tun hatte. Beim Lesen des Antwortschreibens kam mir der Pisa-Test in den Sinn: da dürfte jemand meinen Brief beantwortet haben, der nicht verstanden hat, was da Geschrieben stand. Auf meine nochmalige Bitte um Beantwortung warte ich nun schon seit ein paar Wochen.
Ich persönlich frag mich ja schon länger, ob der Herr Minister damals, mit etwa 18 Jahren, freiwillig Zivildienst geleistet hätte, wenn er nicht dazu verpflichtet gewesen wäre. Schließlich verlangt er ja genau das von der heutigen Jugend. Vor allem aber wird sich die Wirtschaft rasch umstellen. Heutzutage weiß jeder Arbeitgeber, dass die Burschen ihren Präsenzdienst leisten müssen und man hat mehr oder weniger Verständnis dafür. Sobald die Verpflichtung dazu fällt, wird in den Betrieben sicherlich keine Rücksicht mehr darauf genommen, dass jemand freiwillig ein halbes Jahr der Firma fern ist. Und schließlich gab es beim Bundesheer vor einigen Jahren ja schon einmal ein Projekt, das auf Freiwilligkeit beruhte. Mit 1000 Soldaten rechnete man damals, die sich melden würden für die spezielle Ausbildung zum Auslandsdienst. Das haben die Theoretiker im Ministerium wahrscheinlich schon vergessen, dass sie damals kläglich gescheitert sind.
Aber nun ist ja einigen Offizieren offensichtlich doch der Maulkorb zu eng geworden. Der Generalstabschef hat seine Bedenken zu den Plänen geäußert und es bleibt zu hoffen, dass sich dem ein paar Praktiker mehr anschließen. In der Theorie sehen die Dinge ja gleich einmal schön aus, aber jeder Maurer weiß, dass in den Plänen der Architekten nicht selten die praktische Ausführbarkeit fehlt. Wer ein Haus umbauen will, der sollte zumindest wissen, wofür es danach verwendet werden soll. Beim Bundesheer soll auch umgebaut werden. Das wissen die Offiziere schon lange. Aber der jetzige Minister zerschlägt einfach alles, sowohl die Kasernen als auch das bisherige Aufgabenkonzept. Und obwohl er offensichtlich selber nicht weiß, mit welchen Aufgaben das Heer künftig betraut werden soll, schmiedet er theoretische Pläne, verscherbelt Liegenschaft um anderswo Gründe zu pachten und fährt den Arbeitswillen und die Zuversicht der bestehenden Mitarbeiter mit System herunter. Der Minister hat mit 18 Jahren die Bedeutung des Bundesheeres nicht erkannt und jetzt wäre es höchst an der Zeit, dass einige Untergebene aufstehen um ihm die Meinung zu sagen. Denn wenn erst einmal alles zunichte gemacht wurde, dann ist es zu spät sein Nichteinschreiten zu bereuen.
Brigitte Eberharter
Freie Journalistin
Tel.: 0664/2128135
E-Mail: brigitte.eberharter@snw.at
