Die Kraft des eigenen Gebetes

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Gespräch mit Gott – 2

 

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Die Kraft des eigenen Gebetes

Gebet war für mich viele Jahre lang gleichgesetzt mit Kirche, mit dem Dahinleiern von irgendwelchen Sprüchen die meist mit einer Schuldzuweisung behaftet sind. Etwa bei der Passage eines Gebetes wo es heißt: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine übergroße Schuld! Mir war das immer äußerst suspekt, weil ich darin nichts Positives finden konnte. Demzufolge habe ich dabei nie mitgebetet und stand stumm in der Gruppe, wofür ich nicht selten einen seltsamen Blick erntete.

Es ist ja nicht neu, dass es fast immer einen richtigen „Schlag auf den Kopf“  braucht oder ein Hinunterfallen in die Grube – kurzum eine Situation, an der man richtig am Verzweifeln ist, bevor man bereit ist, seine Denkweise zu ändern.

Unzählige Bücher habe ich bereits gelesen über Management, über die Zielerarbeitung, über Konfliktlösungen, über positiv denken und was es da alles gibt. Doch wenn man an dem Punkt angelangt ist, wo man verzweifelt in diesem Wissen herumsucht nach einer Lösung und nichts Brauchbares findet, dann kommt der Zeitpunkt des Gebetes.

Doch wie soll ich eigentlich beten? Wie geht das Vater unser? Aber will ich eigentlich ein „Vater unser“ beten? Das ist doch viel zu wenig lösungsorientiert für mein derzeitiges Problem! Im ersten Schmerz finde ich keine Zeile, die mich auch nur annähernd irgendwie beruhigen würde. Gut erinnern kann ich mich allerdings noch an den Tod meiner Großmutter, der enorm schmerzte. Vor dem Begräbnis wurde „Rosenkranz“ gebetet, was ich anfangs lächerlich fand, weil alle irgendwie dahinleierten, ich hatte das Gefühl, dass sie sich um die Worte gar keine Gedanken machten. Irgendwann stimmte ich aber doch in diesen monotonen Singsang ein und ich merkte, dass sich der Schmerz löste.

In einer tiefen Verzweiflung hat eine Freundin mich zum eigenen Gebet hingeführt und dafür bin ich wirklich dankbar. Ich bete nach meinen eigenen Worten und Gedanken. Ich bitte Gott mir zu helfen, weil ich selbst nicht mehr weiter weiß. Und mal ehrlich, die Worte: Herrgott ich bitte dich um Wahrheit und Klarheit und um eine Lösung zum Wohle für alle Beteiligten hört sich doch viel wohlwollender an als „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden“. Mir fällt es im Schmerz leichter, um das zu bitten, wonach ich mich sehne. Im tiefsten Schmerz beginne auch ich zu leiern und sage mir die Worte immer wieder vor – so schalte ich das Gedankenkarussell im Kopf ab, welches gerade in solchen Situationen gehörige Streiche spielen kann.

Bis hierher habe ich es geschafft, bis in die tiefe Grube, wo der Schmerz mich schier auffrisst. Manche warten in solchen Situationen, bis der Herzinfarkt oder der Krebs sie ganz hinüber rafft – andere beginnen zu beten und das eigene Heilwerden in die Hände Gottes zu legen. Man kann auch Universum sagen, wenn einem Gott nicht so über die Lippen kommen will. Eine höhere Kraft ganz einfach, weil die eigene nicht mehr reicht. Meine Freundin versteht es perfekt, die Dinge anschaulich darzulegen: „Ich sitze im Freien, sehe am Boden Steine, Erde, Holzstücke und dazwischen jede Menge Ameisen herumschwirren. Die ziehen und schubsen einen Schmetterlingsflügel mühsam von dannen dabei sehe ich von hier oben, von meiner Perspektive aus, dass es fünf Zentimeter weiter drüben viel einfacher gehen würde.“

Der Herrgott residiert über allem und somit ist sein Überblick so ähnlich, wie die Perspektive meiner Freundin zu den Ameisen. Ich übergebe ihm also mein Problem und warte auf eine Antwort.

„Manchmal“, so sagt meine Freundin, „manchmal muss ich den Ameisen einen kleinen Ast in ihren Weg werfen, weil sie sonst in einer Lacke versinken würden, weil sie diese aus ihrer Perspektive nicht sehen können.“

Natürlich kann es sein, dass auch der Herrgott mir einen Prügel vor die Füße wirft, damit ich endlich erkenne, dass ich mich auf dem Hohlweg befinde. Er sieht das ja von oben viel deutlicher. Vielleicht hat er auch schon mehrmals geflüstert und ich wollte es einfach nicht hören, hab gemeint, mit dem Kopf durch die Wand wird es trotzdem gehen. Also bringt einem vielleicht der Gips am Fuß und die  damit verbundene Eingeschränktheit zur Einsicht.

Wann immer meine Gedanken ins Negative abschweifen, hin zur Angst und zur Verzweiflung, dann fange ich an zu beten, nach meinen Worten. „Bittet und es wird euch gegeben“, so heißt es bereits in der Bibel. Ja, das Gebet ist die Bitte und wer darauf vertraut, dass Gott auch tatsächlich austeilt, der wird auch bekommen. Es werden sich Wege öffnen, man lernt Menschen kennen und auf unerklärliche Weise ist man irgendwann an seinem Ziel angelangt.

Also bittet im Gebet, übergebt eure Anliegen dem Herrn und achtet darauf, was sich zeigt. Denn manchmal kommt das Ergebnis auf ganz andere Art, als man sich das in Gedanken ausgemalt hat.

Copyright: Brigitte Eberharter

Bild: Maria Echelle Leiter – hellsichtig und weltoffen – weitere Bilder von ihr auf Facebook